Freitag, 14. Oktober 2011
Vampire in Serie
Stephan und Damon, Spike und Angel, Edward, Henry, Aidan, Bill und Eric, Mick und Joseph. Sie alle sind Teil des Vampirhypes, der durch das Fernsehen und über die Kinoleinwände huscht.
Doch wer denkt, Vampirserie sind so etwas wie eine neue Erscheinung, der irrt gewaltig. Ja, man könnte sogar sagen, dass der Vampirmythos eine der ersten Hypes in Europa waren. Man erklärte sich Krankheiten, bei denen die Menschen auf seltsame Weise zu Grunde gingen, mit übernatürlichen Wesen, die den Kranken die Seele aussaugen würden. Man machte aus einem grausamen Kriegsherren (Vlad Tepes), der die Angewohnheit hatte, die Besiegten zu pfählen zu Graf Draf Dracula, einem der bekanntesten Vampire der Literatur und der Filmbranche. (Zur Geschichte des Vampirs unbedingt bei Clemens Ruthner weiter lesen)
An sich ist das Phänomen Vampir selbst eine seriale Angelegenheit, nennt man ihn doch "Wiedergänger", also jemanden, der wiedergekehrt ist (von den Toten) und somit unsterblich. Und wer ein wenig bewanderter ist in Vampirfilmen weiß, dass selbst wenn man einen Vampir wie Dracula tötet, er im nächsten Film wieder als Fledermaus durch die Lüfte fliegt.
Dracula ist eine endlose Fortsetzung. Bis heute ist die Rezeption dieses Stoffes von Bram Stoker nicht abgebrochen. Unzählige Filme zeugen von der Faszination des Vampirs. Was also macht unseren Vampirhype im Fernsehen so anders?
Zuerst einmal wurden im Laufe der letzten Jahr(hundert)e die Regeln verändert. Regeln sind bei allen Vampirgeschichten von essentieller Bedeutung. Was sind ihre Erkennungsmerkmale und wie kann man sie töten. Waren in den 90er Jahren Vampire v.a. Bösewichte, die man bekämpfen musste ("Blade", "Interview mit einem Vampir", "Buffy - The Vampire Slayer" etc.), sind sie heute um einiges mehr in die Gesellschaft integriert und wesentlich ungefährlicher. Ja, es scheint so als wären Vampire allmählich vom aussterben bedroht (eine Ausnahme bildet der interessante Film "Daybreakers" von 2009, der eine zukünftige Welt präsentiert, in dem die Welt fast nur noch von Vampiren bevölkert wird, sodass ihre Blutressourcen knapp werden). Der moderne Vampir hat es gelernt sich anzupassen und kann so ungehindert in unserer "sterblichen" Welt leben.
Diese Regeländerung erlaubt es, den Vampir vom Horrorgenre immer weiter zu entfernen. Er wird immer mehr zu einer romantischen Figur, die durch ihre sexuelle Anziehungskraft die Aufmerksamkeit von modernen, toughen Frauen auf sich ziehen (der weibliche Vampir ist - heute wie damals - kaum glaubhaft porträtiert). Auf die Spitze getrieben wird diese neue Richtung des Vampirs in den "Twilight"-Büchern und -Filmen. Edward ist für die menschliche Bella ganz und gar nicht gefährlich: er will sie nicht beißen und auch ihrem erotischen Drängen gibt er nicht nach. Dieser Vampir spielt den "idealen Schwiegersohn" bis zur Perfektion.
Auch in der Fernsehserie "Vampire Diaries" (frei nach der Romanreihe von L.J. Smith) gibt es diesen Typus Vampir, der sich der Gesellschaft anpassen will und sich geschworen hat, keinen Menschen mehr zu beißen. Doch anders als bei Twilight ist die Liebe zwischen Elena und Stephan nicht ungefährdet.
Einen etwas anderen Zugang bietet jedoch die Geschichte rund um die Telepathin Sookie Stackhouse (die Serie "True Blood" basiert auf den Southern Mystery-Novels von Charlaine Harris): Hier haben sich die Vampire einerseits völlig in die Gesellschaft integriert, haben aber gleichzeitig ihre geheime Existenz aufgegeben, die bisher in jeder Vampirgeschichte mehr oder minder vorgegeben war. Doch hier spielen nicht alle Vampire nach den menschlichen Regeln und machen Sookie und ihrem Vampir Bill das Leben schwer.
Ein anderes Genre haben die Vampire auch schon für sicher erobern können: den beliebten Crime-Sektor. Doch die kurzlebigen Serien "Moonlight", "The Gates" und "Blood Ties" (nach den Romanen von Tanya Huff) zeigen, dass nur das Thema Vampir eine Serie nicht am Leben erhält. Man könnte diese Liste noch weiter um die unzähligen Vampirromane, die durch alle Genres geistern, vervollständigen, belassen wir es aber bei diesen.
Um es auf einen Punkt zu bringen, Vampire werden mit modernen Phänomenen verbunden. Sie stehen nicht mehr für eine längst vergangene, rurale Zeit, in der übernatürliche Wesen ihr Unwesen trieben, sondern für eine neue Spezies Mann, die alles andere als wild und unbeherrschbar ist.
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