Mittwoch, 19. Oktober 2011

Crime - With A Twist


Kriminalserien können, genau wie ihre literarischen Pendants, furchtbar öde sein. Wie kaum ein anderer Erzähltext haben sie die strengsten, strukturalen Regeln: Einen kriminalen Akt mit zugehörigem Täter und jemanden, der diesen Akt aufklärt. So weit, so simpel. Doch was hält so viele Leser und Zuseher so lange bei ein und demselben Format?

Sicherlich ist es einerseits eben genau jene Simplizität. Wie haben üblicherweise einen Kommissar, über den wir mehr oder weniger privates Wissen, sein Team und "die Bösen", die am Ende bestraft werden. Eine karthatische Erfahrung also, die uns am Ende glücklich und in Ruhe lässt. Andererseits sind gerade in einem so stark bedienten Feld wie der Kriminalgeschichte die kleinen Dinge, die uns faszinieren. So ist z.B. Sherlock Holmes Liebe zum Detail, Agatha Cristies spannende Eliminierung aller Verdächtigen am Ende der Untersuchung oder Columbos Aufklärung eines Falls, von dem wir schon wissen wie er ausgeht, legendär. Wichtig ist hier v.a. WIE die Geschichte erzählt wird und WER der Ermittler ist.

Heutzutage rückt eine neue Erzählstrategie des Krimis immer mehr in den Vordergrund: wichtig ist nun weniger der einzelne Ermittler als vielmehr das Ermittlerteam, das durch einzelne Experten aus verschiedenen Gebieten Fälle löst. Es entsteht bei Serien wie dem "CSI"-Franchise der Eindruck, dass die Fälle v.a. durch achtsame, wissenschaftliche Analyse des Tatortes aufgeklärt werden kann. Persönlichen Einblick in das Privatleben der Ermittler wird teilweise völlig ausgespart oder nur sukzessive aufgedeckt.
Beide Krimiformate existieren natürlich parallel zueinander. Klassische Krimis ist z.B. die seit 1970 in den deutschsprachigen Ländern ausgestrahlte Serie "Tatort", in der jede Woche ein anderer Ermittler aus einer anderen Stadt reihenweise zu sehen ist. Doch auch hier werden Elemente aus den Vorbildserien in den USA ("CSI", "Law and Order" etc.) übernommen, wie die Figur des Gerichtsmediziners.

Das amerikanische Fernsehen jedoch weiß um die große Nachfrage nach Krimiserien und muss sich deshalb immer wieder andere Formate überlegen, die sich von den schon bekannten Serien abgrenzen. Dadurch sind willkommenerweise viele um die Ecke denkende Krimiserien entstanden, die auch abgeneigte Zuseher (wie mich) für dieses Genre begeistern konnten. Die meisten dieser neuen Serien sind zwar klassische Polizeiserien (in Amerika immer auch aufgeteilt in Detektive- und FBI-Ermittler), arbeiten aber mit ungewöhnlichen Partnern (man könnte "Komissar Rex" als einen frühen Vorläufer sehen) oder neuen Methoden bzw. ungewöhnliche Fälle.

So werden andere Genre-Elemente aus Komödie, Drama, Teenie Serie, Science Fiction, Wissenschaftssendung uva. hinzugefügt, um so die Zuschauer anderer Formate anzulocken.
Um letztgenannte soll es in dieser Blogreihe gehen.
Fortsetzung folgt...

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