Samstag, 24. März 2012

Vampire in Serie - True Blood

Wenn wir uns mit Vampiren im Fernsehen beschäftigen, bemerken wir schnell, dass die Blutsauger häufig als Symbol für etwas anderes stehen, sei es die sexuelle Versuchung, die Unterminierung unserer Gesellschaft, die Marodheit der Politik oder Unterdrückung von Minderheiten. Es steht fest: Vampire können keine einfache Vampire mehr sein. Vorbei ist ihr schönes Leben vom unbedarften Blutgemetzel an rumänischen Jungfrauen, vorbei auch die Zeit der geheimnisumwitterten Legenden und das abgeschiedene Leben in alten Burgen und Schlössern. Vampire stehen in der Öffentlichkeit. Sie werden diskutiert, ihr Benehmen wird beurteilt und Lebensweise beneidet (oder ver-urteilt).
In der Welt in "True Blood" (das auf Vorlage von der "Sookie Stackhouse"-Romanserie von Charlaine Harris basiert) hatten die Vampire ihr "Coming Out", ein Ereignis, das in der Serie nicht weiter beschrieben wird, man sich aber im Grunde wie die Geschichte aus Anne Rice´ Roman "Interview with the Vampire" vorstellen kann. Sie sind nun anerkannte Mitglieder der Gesellschaft, bekleiden offizielle Ämter und müssen sich an menschliche Spielregeln halten (Regel Nr. 1: kein Mensch soll getötet werden). Möglich gemacht wurde dieser Schachzug durch das japanische Getränk "True Blood", synthetisch hergestelltes Blut als Ersatz für das Echte.
In dieser neuen Gesellschaft, in der Kleinstadt Bon Temps in Louisiana lebt Sookie Stackhouse (Anna Paquin), nach außen hin eine sehr naives, einfaches Mädchen. Zeit ihres Lebens hat sie die Gabe, die Gedanken der anderen Menschen zu hören. Ihre Gabe ist gleichzeitig auch ein Fluch, da sie die unkontrollierten Gedankenflüsse oft nicht anschalten kann. Doch als plötzlich der Vampir Bill Compton (Stephen Moyer) durch die Tür der Bar "Merlottes", in der Sookie arbeitet, hinein kommt, ändert sich ihr Leben grundlegend. Bills Gedanken kann sie als einziges nicht hören und lässt sich auf ihn ein. Durch ihr lernt sie den Vampir-Boss Eric Northman (das schwedische Ex-Model Alexander Skarsdgard), deren Untergebene Pam (Kristin Bauer) kennen. Die engstirnige Gesellschaft der Stadt steht dem Neuankömmling mehr als kritisch gegenüber. Vor allem Sookies Bruder Jason (Ryan Kwanten), ihre beste Freundin Tara Thornton (Rutina Wesley) und ihr Boss Sam Merlotte (Sam Tremmel) versuchen sie und Bill zu trennen.
Sie Serie gelingt auf eine ganze neue Art und Weise mit Themen wie die Menschrechts- oder Lesben und Schwulenbewegung umzugehen und verpasst dem amerikanischen Fernsehen zusätzlich eine kritische Auseinandersetzung mit Toleranz aller Art. Die Umsetzung und visuelle Darstellung der Serie ist bezaubernd. Leider leidet die Storyline desöfteren an dem viel zu großen Cast, dessen Einzelgeschichten sich dermaßen verzweigen, dass der Zuschauer dem Geschehen nur sehr schwer folgen kann. Außerdem kann man sich mit der extrem naiven und manchmal doch allzu dümmlichen Hauptdarstellerin wenig identifizieren. Es bleibt: faszinierende Vampire und andere magische Wesen wie Werwölfe, Formenwandler und Hexen, die durch die veränderte Lage ihr Verhältnis zum Menschen verändern und ihre alten Gewohnheiten überdenken müssen.
Fortsetzung folgt...

Mit Hilfe eines bahnbrechenden Marketings hat es die US-amerikanische Serie mittlerweile auf vier Staffeln geschafft. Eine fünfte wird diesen Sommer auf dem Sender HBO anlaufen. Sie orientiert sich relativ genau an der Bestsellervorlage von Charlaine Harris (ein Buch = eine Staffel), die es mittlerweile auf elf Folgen gebracht hat. Erfunden wurde "True Blood" von Alan Ball, der schon mit der Serie "Six Feed Under" für viel Kritikerlob gesorgt hatte.

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